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Das Höllental im Spannungsfeld zwischen Tourismus und Umweltschutz

Podiumsdiskussion Tourismus = Mist?

 

An einem schönen Sommer-Wochenende werden rund 1.400 geparkte Autos im Höllental gezählt. Zu viele Gäste lassen ihren Müll leider dann nach einem schönen Tag am Wasser oder entlang der Straße einfach zurück. Das Naturjuwel wäre bereits total verdreckt, würde die MA 49 (Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien) als Grundeigentümerin und private Initiativen nicht Woche für Woche Müllabfuhr spielen. Doch jetzt scheint das Maß voll, Forstdirektor Januskovecz und vergrämte Höllental-Liebhaber*innen rufen Alarm. Die örtliche Naturfreunde-Organisation lud zu einer Podiumsdiskussion am 25. September ins Arbeiterkammer-Seminarhotel in Hirschwang. Das Interesse war groß: rund 100 Personen kamen und suchten einen Abend lang gemeinsam nach Lösungen.

 

Das Spannungsfeld zwischen Tourismus und Umweltschutz diskutierten am Podium Johann Döller, Bürgermeister von Reichenau/Rax und Obmann des Tourismusverbandes Semmering-Rax-Schneeberg, Christian Blazek mit dem Forstdirektor der Stadt Wien, Andreas Januskovecz, mit Regina Hrbek, Umweltschutzexpertin der Naturfreunde Österreich und mit Raxseilbahn-Betreiber Bernd Scharfegger. Geleitet wurde die Diskussion vom Initiator dieses Abends, Hubert Prigl, Vorsitzender der Naturfreunde Hirschwang-Reichenau.

 

Eröffnet wurde der Abend vom Hausherrn Markus Wieser, Präsident der AK NÖ. Er nutzte seine Begrüßung und stieg gleich ins Thema ein, indem er auf die Wichtigkeit von sanftem und nachhaltigem Tourismus hinwies. Seit der Hiobsbotschaft über die Stilllegung der Mayr-Melnhof-Kartonfabrik in Hirschwang steigt zudem die Bedeutung des Tourismus für die Wirtschaft in der Region weiter.

 

Gleich zu Beginn wurde betont, dass die Marktgemeinde Reichenau auf den Parkplätzen zwischen Hirschwang und Kaiserbrunn sechs Container mit je einem Fassungsvolumen von 1100 l zu Verfügung stellt und diese auch, je nach Bedarf, wöchentlich geleert werden. Außerdem kontrollieren Mitarbeiter*innen des Gemeindebauhofes jeden Montag die Straßenränder im Gemeindegebiet von Reichenau und beseitigt allfällig abgelegten Müll. Trotzdem scheint das Höllental immer mehr zu vermüllen.

 

Verschiedene Lösungsansätze, auch aus dem Publikum, wurden besprochen, darunter: mehr Müllkübel versus weniger Müllkübel; strenge Verkehrsregelung und Parkraumbewirtschaftung sowie verstärkte Aufklärungskampagnen. Christian Balzek erläuterte seine visionären Ideen einer Raxüberquerung ohne Auto mittels eines Shuttledienstes oder eines Wanderbusses. Umweltschutzexpertin Regina Hrbek verwies auf die Wichtigkeit einer guten und vor allem regelmäßigen öffentlichen Verkehrsanbindung und dass mehr Müllkübel noch mehr Müll anziehe, das zeigten langjährige Erfahrungen aus Nationalparks auf der ganzen Welt.

 

Bernd Scharfegger betonte, dass die Region von den Tourist*innen lebt und dass dieser Fakt nicht vergessen werden darf. Eine Lenkung des Touristenstromes ist vorstellbar, aber das Höllental sowie das Rax-Schneeberggebiet müssen Erholungsraum bleiben. Forstdirektor Andreas Januskovecz appellierte an alle Anwesenden, dass sich Naturschutz und Tourismus nicht widersprechen müssen, im Gegenteil, sie können voneinander profitieren. Einig waren sich alle, dass etwas getan werden muss und dass alle zusammen helfen müssen.

 

Bereits seit 2012 existiert das Projekt Masterplan Höllental, doch bisher wurde fast nichts umgesetzt. Das soll sich jetzt ändern, versprach Bürgermeister Hannes Döller, an einer raschen Umsetzung muss gearbeitet werden. Dieser Aussage stimmten alle überein. Interessantes Detail am Rande: Hinter den „bösen Müllwegschmeißer*innen“ vermuten die meisten übrigens Gäste aus der Ferne. Doch eine offizielle Messung zeigte, dass rund 60 Prozent der Höllental-Besucher*innen aus dem Bezirk Neunkirchen stammen.

 

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